Präventionskampagne für die Gesundheitsbehörde der Hansestadt Hamburg. Oder: Wie Zielgruppenbeteiligung auf Augenhöhe zur Erfolgsgrundlage wird.

Fast jeder dritte Jugendliche aus Hamburg hat schon mal gekifft.
 Der Konsum von Cannabis unter Jugendlichen war im Jahr 2012 mit etwa 17 Prozent wieder auf das hohe Niveau von 2004 gestiegen. Die Zahlen der Hamburger SCHULBUS-Studie, einer regelmäßigen Schüler- und Lehrerbefragung zum Thema Drogenkonsum, sprachen eine deutliche Sprache. Dies war für die Stadt Hamburg Anlass, mit einer Präventionskampagne eine kritische Reflexion zum Cannabiskonsum im Jugendalter anzuregen. Im Mittelpunkt der Kampagne standen Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, die in diesem Alter besonders anfällig für erste Drogenerfahrungen, vor allem mit Cannabis, sind. Aber auch Eltern und Fachkräfte sollten sensibilisiert und informiert werden. Ziel war und ist es, den Informationsgrad über Risiken und gesetzliche Bestimmungen zu erhöhen und möglichen Verharmlosungstendenzen – auch im Rahmen der sehr kontrovers geführten Debatte über eine Regulierung des Cannabismarkts – entgegenzuwirken.

Aufgabe: Aufklärung über die Risiken des Cannabiskonsums bei Jugendlichen

Kunde: Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg

Leistungen: Peergroup-Workshops, Kampagnenidee, -konzeption und Umsetzung

Indikation/Thema: Suchtprävention, Gefahren des Cannabiskonsums im Jugendalter

Herangehensweise

Wem glauben Jugendliche, wenn es um die Folgen des Drogenkonsums geht? Eltern? Lehrern? Oder doch eher den „eigenen Leuten“? In der Peergroup lassen sich problematische Themen definitiv offener und mit mehr Akzeptanz diskutieren, meinten wir. Also ließen wir die Peergroup sprechen und bezogen Jugendliche mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen bezüglich Cannabis- und Drogenkonsum von Anfang an und auf Augenhöhe in die Konzeptentwicklung mit ein. Die gemeinsame Workshop- und Konzeptionsarbeit von Jugendlichen, Behörde und uns als Agentur mündete in einer Kampagnenidee, die die Jugendlichen selbst in den Mittelpunkt rückt, deren aktive Auseinandersetzung mit der Thematik und Beteiligung ermöglicht und die dauerhaft tragfähig ist.

Umsetzung

Die Cannabis-Präventionskampagne „Bleib stark! Bleib du selbst!“ wurde als Mehrebenen-Präventionsstrategie konzipiert, deren Kern webbasiert ist. Neben der Information für Eltern und Fachkräften zum Cannabiskonsum, dient die Kampagnenwebsite www.bleib-stark.com zugleich als Kreativ-und Mitmachplattform. Das Konzept sieht eine dauerhaft laufende Kommunikation vor, die sich regelmäßig mit neuen Impulsen an die Zielgruppe wendet. So wurden 2014 selbst produzierte Videos und Plakate zum Thema Cannabiskonsum online eingereicht, 2015/16 standen Tweets zum Thema im Fokus. Alle Beiträge wurden auf der Kampagnenwebsite veröffentlicht, die besten von Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks prämiert. Ergänzend hinzu kamen Infomaterialien, ein Präventionsparcours für Schulen, Peer-Einsätze in Jugendeinrichtungen und in Fahrschulen.

Ergebnis

Die Cannabis-Präventionskampagne „Bleib stark! Bleib du selbst!“ der Stadt Hamburg wurde beim Wettbewerb „Vorbildliche Strategien kommunaler Suchtprävention“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit dem Sonderpreis für innovative Suchtprävention ausgezeichnet. Als vorbildlich bewerteten Suchtpräventionsexperten die starke Einbindung der Jugendlichen über die Social Media-Kanäle Facebook, Instagramm und Twitter. Seit 2014 ist unsere Kampagne fester Bestandteil des Hamburger Drogenpräventionssystems sowie des SuchtPräventionsZentrums (SPZ) im Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI). Auch die Unterstützung diverser Krankenkassen belegt den Erfolg und die gute Netzwerkarbeit. Und auch die Zahlen sprechen für sich: Laut SCHULBUS-Studie 2016 ist der Anteil der Jugendlichen, die Cannabis konsumieren, von 17 Prozent in 2012 auf 12 Prozent in 2015 gesunken.